Kostolanys Weißheiten Teil 1

Aus der Kunst über Geld nachzudenken, die schönsten Weißheiten und Bemerkungen.

Fangen wir mit dem Zynismus an, bevor wir uns anderen Themen widmen.

Ich bin meistens zur Börse gegangen, weil ich nirgendwo so viele Dummköpfe pro Quadratmeter treffen könnte wie dort.

Andre Kostolany

Kostolany hat viel Zet an den Börsen verbracht und sich auch über die grundlegenden Ideen und Verständnissen von Geld auseinandergesetzt.

Geld und Moral

Warum begehren Menschen nach Geld? Wird durch den Konsum von TV, Automobil oder Internet das Leben lebenswerter? Bestimmt nicht! Doch der Drang nach Fortschritt und Weiterentwicklung ist bestimmt nichts schlechtes. Kostolany führt an:

„Warum sollte das Geld an allen Unsauberkeiten, die es verursacht, schuld sein?“ Ein objektives Urteil ist und bleibt unmöglich. Es hängt von der philosophischen Einstellung und auch der materiellen Situation jedes Einzelnen ab. Denn die Motivation, den Drang nach Geld für unmoralisch zu erklären, erwächst bei vielen aus Neid und nicht aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit.

Doch unabhängig von der Beantwortung der Frage ist eines wohl unbestritten: Der Drang nach Geld ist die Triebfeder des wirtschaftlichen Fortschritts. Die Chance, Geld zu verdienen, setzt die Kreativität, den Fleiß und die Risikobereitschaft jedes Einzelnen frei.

Seite 15 aus Kunst über Geld nachzudenken – Andre Kostolany

Verlockungen der Börse

Viele Menschen verschmählen die Börse. Ob es Olaf Scholz ist oder dein Nachbar. Die Börse weckt Verlockungen und zegt nicht selten auch die Gefahren. Warum kommen Menschen nach einer Depression zurück an die Börse?

Darum bin ich auch der Überzeugung, dass nach jeder Börsendepression, in der die Menschen ein wahrer Ekel vor Aktien und der Börse befällt, wieder Zeiten folgen, wo alle Wunden der Vergangenheit vergessen sind und die Menschen sich wieder von der Börse anlocken lassen wie die Motten vom Licht. Und wenn sie es nicht aus eigenem Antrieb tun sollten, dann sorgt schon die hoch entwickelte Börsenindustre dafür und an erster Stelle der Köder Geld.

Seite 32 aus Kunst über Geld nachzudenken – Andre Kostolany

Was Kurse bewegt

Aus der Zeit der Börsen in Amsterdam und der niederländischen Ostindien-Kompanie:

Einige Waren kamen allerdings in Holland an. Doch die Waren wurde nur zu einem Gegenwert von 35 Tonnen Gold verkauft, während man gehofft hatte, einen Gegenwert von 50 Tonnen zu erzielen. Das Geschäft war an sich nicht schlecht, aber die Spekulation war bis aufs äußerte angespannt. Wenn ein Börsenwert Aussicht auf eine erhöhte Dividende hat, dann stürzen sich die Spekulanten auf diese Aktien. Wenn die Dividende zwar so hoch ist wie erwartet, kann der Kurs trotzdem aufgrund des Fait acompli fallen. Wenn die Dividenden jedoch nicht die erwartete Höhe erreichen, kann dies zum Funken im Pulverfass werden: Grenzenloses Misstrauen löst das grenzenlose Vertrauen ab.

Seite 73 aus Kunst über Geld nachzudenken – Andre Kostolany

Das erste Buch über die Börse über diese Zeit hieß Die Verwirrung der Verwirrungen (über die Zeit der Amsterdamer Börse des 17. Jahrhunderts). Das Buch ist 1994 im Börsenverlag neu aufgelegt worden und heute wieder erhältlich. Es gibt Dinge an der Börse, die bis heute Bestand haben.

Kostolany führt weiter an, dass viele kurzfristige Kursbewegungen erst im Nachhinein gerne von Zeitschriften gedeutet werden. Das Faszinierende an der Börse ist nun mal auch, dass sich Kurse bewegen, ohne dass es manches Mal neue Nachrichten gibt.

Nervensystem des Kapitalismus

Wozu gibt es die Börse? Wozu gibt es all die Instrumente und Anlageprodukte an der Börse überhaupt? Kostolany dazu:

Der eigentliche Motor aber sind die Aktienbörsen. Ihre Grundlage ist die Aktiengesellschaft und die Börsenspekulation ihr Treibstoff. Ohne Spekulationen wären die großen revolutionären Industrien (Eisenbahn, Automobil, Öl, Elektrizität, Computer und jetzt das Internet) nie zustande gekommen. Nur die Hoffnung auf einen spekulativen Kursgewinn und nicht auf einen Zinsertrag kann den großen und kleinen Sparern die zur Expansion nötigen Gelder aus der Tasche kitzeln. Diese Gelder werden dann mittels der Börse durch die verschiedensten Investitionsmöglichkeiten in der Wirtschaft verteilt. Mit einem Wort, die Börse ist ein Instrument, Investitionen einzufrieren und jederzeit wieder aufzutauen, wenn der Anleger sein Kaptal wieder benötigt. Es würden sich nie so viele Anleger, Spekulanten – und schon gar nicht die Spieler – auf Aktien einlassen, könnten sie nicht sicher sein, dass sie ihre Investitionen jederzeit wieder zu Geld machen können. Und so erfüllt die Börsenspekulation eine wesentliche Funktion. Auch wenn er es wegen des Spekulatonsgewinnes tut, so stellt der Börsenspekulant dennoch sein Kapital der Wirtschaft zur Verfügung. Diese braucht es dringend für Wachstum, Beschäftigung und Fortschritt.

Seite 77 f. von Kunst über Geld nachzudenken – Andre Kostolany

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