Erfolgreich wissenschaftlich investieren – Andreas Beck

Wer vor Krisen Angst hat, der hat es nicht verstanden.

Fragen Sie eine Person nie nach Ihrer Meinung, nach Ihren Prognosen oder nach Ihrem Rat. Fragen Sie nur danach, was Sie in Ihrem Portfolio hat – oder nicht hat.

Nassim Taleb

Dieser Artikel orientiert sich an dem free-Ebook von Andreas Beck „Erfolgreich wissenschaftlich Investieren“ von 2021.

Grundlagen

Fremdkapital und Eigenkapital

Die wichtigsten Grundlagen umfassen, dass Renditen nur in der Realwirtschaft geschaffen werden und wie diese aufgebaut sind. Ein neu gegründetes Unternehmen benötigt Kapital um wirtschaftlich anfangen zu können.

Um Kapital zu bekommen, verspricht das Unternehmen feste Zinszahlungen auf das zur Verfügung gestellte Kapital, dieses Kapital nennt man Fremdkapital, oder bietet direkte Anteile/Beteiligung an dem Unternehmen ohne feste Zinsen, dieses Kapital nennt man Eigenkapital. Zwischen diesen beiden Arten von Kapital gibt es unzählige Varianten in der Finanzbranche, wie Genussscheine oder Wandelanleihen. Nichtsdestotrotz gibt es in der Reinform nur diese zwei Arten.

Ein Unternehmen benötigt also Liquidität und versucht dies über möglichst günstige Konditionen am Markt zu genieren. Somit wird ein Unternehmen immer ein Verhältnis aus Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung wählen.

Fremdkapitalgeber haben ein geringeres Risiko und verlangen Sicherheiten auf ihr getätigtes Investment. Wenn ein Unternehmen wenig Eigenkapital ausweisen kann, preist der Fremdkapitalgeber ein größeres Ausfallrisiko ein. Eigenkapitalgeber haben ein höheres Risiko und erwarten darum eine höhere Rendite von Ihrem Investment.

Privatanleger

Als Privatanleger verzichtet man im hier und jetzt auf Konsum und bietet sein verfügbares Kapital der Realwirtschaft an. Dafür erwartet man eine Rendite, mit der man für das Alter oder für Notfälle eventuell vorsorgen möchte.

Die Finanzbranche bietet eine große Auswahl an Produkten an, die teilweise sehr komplex verpackt sind. Aber in Summe geht es immer um Eigenkapital Fremdkapital und die Gebühren der Finanzbranche für Ihre Produkte. Dabei ist die Gefahr groß, dass viele Privatanleger Gebühren und Schachtelgebühren für Ihre Geldanlage bezahlen.

Die Grundidee war gut. Ein Privatanleger hat ein zu geringes Kapital um breit am Markt Geld anzulegen. Darum zahlen viele Privatanleger in einen Topf, sodass breit gestreut angelegen werden kann und das Ausfallrisiko eines einzelnen Wertpaptieres keinen großen Schaden verursacht.

Aber dies hat sich nach Andreas Beck heute zugespitzt. Es gibt nach seiner Auffassung 8’000 Unternehmen, die liquide an den Börsen gehandelt werden, und mittlerweile über 150’000 Aktienfonds, Zertifikate und Derivate, die auf diese liquiden Investments aufbauen.

Marktmechanismus

Unternehmen, welche geringe Eigenkapitalrenditen, Wachstum oder Zukunftsberechtigung haben, werden zerschlagen, durch Sparmaßnahmen abgebaut oder gehen im Markt unter. Es reicht nicht aus schwarze Zahlen zu schreiben, sondern man muss im Markt bestehen. Diese Funktionsweise führt zu Eigenkapitalknappheit in Krisen, die Anforderungen an Eigenkapitalrenditen steigen in Krisen, und Unternehmen ohne ausreichend Eigenkapital gehen pleite. Der Rest bleibt bestehen und geht gestärkt aus der Krise hervor. Josef Schumpeter nennt diesen Mechanismus die „schöpferische Zerstörung“.

Die Risiken für einzelne Unternehmen in der globalisierten Welt nehmen dadurch zu, die Stabilität der gesamten Weltwirtschaft nimmt zu. Andreas Beck spricht dabei von Ultrastabilität.

Folgerung

Ein optimales Portfolio sollte die Ertragskraft der Weltwirtschaft abbilden. Einzelne Branchen, Regionen oder Unternehmen sind riskant, ein globales Weltportfolio aber nicht. Ziel sollte es sein, Zinseszinseffekt der Unternehmensgewinne zu profitieren.

Eine Verdopplung des Kapitals nach 10 bis 12 Jahren sollte ein Normalfall sein, eine Verdopplung nach 13 bis 15 Jahren ein Desaster – so Andreas Beck.

Krisen

In der wissenschaftlichen Literatur zum Portfoliomanagement ging man oft von statischen Aktien-Anleihen Portfolios aus, die besonders langfristig exzellent waren. Zeit Jahrzehnten gilt Aktien 60% / Anleihen 40% (Vergleiche zum Beispiel das Allwetterportfolio von Ray Dalio).

Seit einigen Jahren haben wir jetzt Anleihen mit negativen Coupons für 10-jährige Anleihen. Ebenso laufen viele Vermögensverwalter, Robo Advisor/Investor und Co in ähnliche Probleme. Sie beruhen auf Backtests, welche von positiven Erträgen auf Anleihen ausgehen.

Am Ende geht es aber um die Frage, was Krisen sind wie man sich während Krisen verhält. Dies wird in den folgenden Kapiteln näher erläutert.

Das Portfolio: Erträge generieren und Krisen nutzen

Statische und Dynamische Systeme

Die Theorie arbeitet stark mit Modellbetrachtungen und Kausalitätsketten. Dabei ist zu verstehen, was für ein System vorliegt. Bei einem statischen System geniert ein Input ein Output. Ein solches Modell ist am effizientesten, wenn eine zentrale Steuerung implementiert wird und dann kann man daraus ein Optimierungsproblem ausarbeiten. Ein statisches Modell für ein Einzelunternehmen oder -branche kann durchaus sinnvoll sein.

Es ist offensichtlich, dass so ein statisches System in keinerlei ein praktikables wirtschaftliches Modell ist. Nehmen wir die Aussage „Verstaatlichung der deutschen Banken schützt die Wirtschaft“. Es ist klar, dass das Umsetzen eines solchen Mechanismus zu einer Veränderung der Wirtschaftsordnung in Deutschland führt, was aber in der Ausgangsgleichung nicht mehr berücksichtigt wird.

Dynamische Maschinen sind komplex, sind unbequem, haben eine Eigendynamik und man kann nicht genau sagen, welcher Input zu welchem Output führt.

Organismen und lernende Systeme sind „nicht triviale Maschinen“, bzw. dynamische Maschinen, denn neues Wissen können zu neuen Handlungsweisen führen.

Besonders die österreichische Schule und ihre Arbeiten sind in diesem Zusammenhang als Literaturempfehlung hervorzuheben.

Was morgen passieren wird, kann uns heute nicht bekannt sein, da es zum großen Teil von Wissen und Informationen abhängt, die noch gar nicht geschaffen wurden und darum auch heute noch gar nicht bekannt sein können

Jesûs Huerta de Soto

Für Andreas Beck haben Krisen gewisse Gemeinsamkeiten. Eine Krise ist eine Störung des Systems, weswegen der Privatanleger zu neuen Konditionen dem Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen will.

Dadurch ist ein Unternehmen in der Krise wirklich insolvenzbedroht. Der Markt verändert sich, es kommt zu einem Anpassungsprozess und einer neuen Betrachtung von Chancen und Risiken. Es wird sich der Markt verändern, mit seinen Wertschöpfungsketten und neue Unternehmen werden den Platz von alten Unternehmen einnehmen.

Die Leute im Risikomanagement halten lediglich solche Dinge für riskant, die Ihnen in der Vergangenheit Nachteile einbrachten, wobei sie nicht bemerken, dass diese negativen Ereignisse in der Vergangenheit, bevor sie passierten, präzedenzlos gewesen waren und sich sämtliche Standarderklärungen entzogen hatten

Nassim Taleb

Kurzdarstellung Portfoliostrategie – Global Portfolio One

Das Global Portfolio One ist ein gemanagter Fond von Andreas Beck. Das Portfolio baut auf hauptsächlich zwei Anlagebausteinen auf:

  • Welt AG: Streuung in weltweite Unternehmen, kleine und große Unternehmen, Schwellen- und Industrieländer, Gewichtung nach Unternehmensgewinnen und -bewertungen
  • Investitionsreserve: Investitionen in langlaufende sichere Anleihen, welche selbst keine Rendite abwirft, aber als Liquidität in Krisen genutzt werden soll

Portfolio Regimes

  • Normal: Risikokapitalosten sind auf Normalniveau – 80 % Welt AG / 20 % Investitionsreserve
  • Eigenkapitalknappheit: Risikokapitalkosten erhöht – 90 % Welt AG / 10 % Investitionsreserve
  • Eskalation der Eigenkapitalknappheit: Risikokapitalkosten extrem hoch – 100 % Welt AG

Steuerung der Regimes

Persönliches Fazit

Die Portfolio-Strategie von Andreas Beck ist durchaus interessant und es ist sehr empfehlenswert sich mit der Analyse und der Idee von Andreas Beck auseinanderzusetzen. Der Versuch eines Mechanismus zur Steuerung in Krisen und der Ausnutzung des erhöhten Risikos ist durchaus interessant.

Wie im Artikel beschrieben ist es eine rein passive Strategie, die versucht breit gestreut am Markt zu partizipieren.

Die Portfolioaufstellung (hier im Artikel nicht dargestellt) zeigt, dass er die Welt AG rein über ETFs abbildet. Dabei sind 40 % in Nordamerika, 16 % in Europa und 12 % in Asien (davon 2/3 in Japan) und 10 % in Schwellenländer investiert (Stand 31.12.2020 – Regime Normal). Somit setzt er stark auf die Finanzstärke der Industrieländer und gewichtet die Schwellenländer sehr gering. Bei der Liquiditätsreserve setzt er auf europäische Anleihen die in € oder Schweizer Franken notieren.

Interessant finde ich bei der Gestaltung, dass er ein sehr gering gestreutes Währungsrisiko bei der Liquiditätsreserve hat (nur€ und CHF), als auch dass Afrika, Australien und Südamerika kaum gewichtet in der „Welt AG“ sind.

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